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ADHS & Rejection Sensitivity (RSD) - Warum Kritik so weh tut


Es ist nur ein Satz.

„Das hättest du besser planen können.“

Oder ein Blick.

Oder eine nicht beantwortete Nachricht.

Oder ein leicht veränderter Tonfall.

Und plötzlich zieht sich alles in dir zusammen.


Dein Herz schlägt schneller. Dein Kopf rast. Scham. Wut. Traurigkeit. Panik.

Und gleichzeitig denkst du: „Warum reagiere ich so über?“

Viele Frauen mit ADHS bei Frauen kennen genau diese Momente. Sie fühlen Kritik nicht nur. Sie erleben sie wie einen inneren Absturz.


Was viele nicht wissen: Dafür gibt es einen Namen.


Rejection Sensitivity Dysphoria (RSD).


Was ist Rejection Sensitivity (RSD)?

Rejection Sensitivity Dysphoria beschreibt eine extreme emotionale Reaktion auf tatsächliche oder wahrgenommene Zurückweisung, Kritik oder Ablehnung.

Wichtig zu verstehen :Es geht nicht nur um reale Kritik.

Schon die Angst vor Ablehnung kann die gleiche Intensität auslösen.

RSD tritt besonders häufig bei Menschen mit ADHS im Erwachsenenalter auf und steht in engem Zusammenhang mit emotionaler Dysregulation bei ADHS.

Es ist kein offizielles Diagnosekriterium im klassischen ADHS-Katalog. Aber in der Praxis berichten sehr viele Betroffene davon.


Wie fühlt sich RSD bei ADHS an?

Frauen mit RSD bei ADHS beschreiben es oft so:


  • „Es fühlt sich an wie ein Stich ins Herz.“

  • „Ich schäme mich sofort.“

  • „Ich will im Boden versinken.“

  • „Ich werde sofort wütend oder ziehe mich komplett zurück.“


Die Reaktion ist:


  • plötzlich

  • intensiv

  • körperlich spürbar

  • schwer zu regulieren


Und sie passt oft nicht zur Situation.


Warum ist Rejection Sensitivity bei ADHS so stark?

Hier kommt der edukative Teil.

ADHS betrifft unter anderem die Regulation von Emotionen.

Das bedeutet:

  • Gefühle entstehen schneller

  • Gefühle sind intensiver

  • Gefühle klingen langsamer ab


Das Gehirn von Menschen mit ADHS Symptomen bei Frauen reagiert stärker auf soziale Signale. Gleichzeitig ist die Fähigkeit zur Emotionsregulation eingeschränkt.

Dazu kommt etwas anderes:

Viele Frauen mit unerkanntem ADHS haben jahrelang negative Rückmeldungen bekommen:


  • „Du bist zu chaotisch.“

  • „Du bist zu sensibel.“

  • „Warum kannst du das nicht einfach?“

  • „Du strengst dich nicht genug an.“


Diese Erfahrungen hinterlassen Spuren im Selbstwert.

Wenn dann Kritik kommt, berührt sie nicht nur die aktuelle Situation.

Sie berührt alte Wunden.


Typische Anzeichen von RSD bei Frauen mit ADHS

Vielleicht erkennst du dich hier wieder:


1. Du interpretierst neutrale Aussagen als Kritik

Ein kurzes „Okay.“ in einer Nachricht. Und dein Kopf denkt: „Sie ist sauer.“

RSD verstärkt die Angst vor Ablehnung.


2. Du meidest Situationen aus Angst vor Kritik

Du bewirbst dich nicht. Du postest nichts. Du sprichst deine Meinung nicht aus.

Nicht, weil du nichts zu sagen hast. Sondern weil die mögliche Ablehnung unerträglich wirkt.


3. Du wirst plötzlich sehr wütend

Manchmal kippt der Schmerz in Ärger.

Du reagierst scharf. Verteidigst dich sofort. Oder gehst innerlich auf Distanz.

Das ist kein „schlechter Charakter“.Es ist eine Schutzreaktion.

4. Du grübelst stundenlang

Ein kleiner Kommentar beschäftigt dich Tage später noch.

Dieses Grübeln verstärkt die emotionale Intensität zusätzlich.


5. Dein Selbstwert hängt stark von Rückmeldung ab

Ein Lob hebt dich hoch. Eine Kritik stürzt dich ab.

Viele Frauen mit ADHS und niedrigem Selbstwert erleben genau dieses emotionale Auf und Ab.


RSD oder „einfach nur sensibel“?

Viele Frauen hören:

„Du bist halt empfindlich.“

Doch Rejection Sensitivity bei ADHS ist mehr als Sensibilität.

Es ist eine neurologisch bedingte Intensität der emotionalen Reaktion.

Und sie fühlt sich nicht kontrollierbar an.

Das ist ein entscheidender Unterschied.


Warum RSD besonders Frauen trifft

Gesellschaftlich werden Frauen oft stärker über Beziehung, Harmonie und Anpassung definiert.


Viele Frauen mit ADHS entwickeln zusätzlich:

  • People Pleasing

  • Perfektionismus

  • übermäßige Selbstkritik


Wenn dann Kritik kommt, trifft sie doppelt:

  • die ADHS-bedingte emotionale Intensität

  • die Angst, nicht gut genug zu sein


Deshalb ist Rejection Sensitivity bei ADHS bei Frauen ein so wichtiges Thema.


Der Zusammenhang zwischen RSD und später ADHS Diagnose

Viele Frauen kommen wegen:

  • Depression

  • sozialer Angst

  • Beziehungsproblemen

  • chronischem Grübeln

in Therapie.


Doch erst wenn jemand gezielt nach ADHS im Erwachsenenalter fragt, wird klar:

Die starke Kritikempfindlichkeit hängt möglicherweise mit ADHS zusammen.

Eine späte ADHS Diagnose kann deshalb enorm entlastend sein.

Plötzlich ergibt vieles Sinn.


Was hilft bei Rejection Sensitivity (RSD)?

RSD verschwindet nicht über Nacht. Aber es gibt Wege, damit umzugehen.


1. Wissen nimmt Scham

Zu verstehen, dass deine Reaktion neurologisch erklärbar ist, verändert dein Selbstbild.

Du bist nicht „dramatisch“. Dein Nervensystem reagiert intensiver.


2. Reiz und Reaktion trennen lernen

Ein kleiner innerer Satz kann helfen:

„Das ist gerade RSD.“

Allein diese Benennung schafft minimal Abstand.


3. Körper regulieren

Da RSD körperlich spürbar ist, helfen körperliche Strategien:

  • bewusstes Atmen

  • kaltes Wasser

  • Bewegung

  • kurze Pause vor einer Antwort


Erst den Körper beruhigen, dann reagieren.


4. Selbstwert unabhängig aufbauen

Langfristig ist Selbstwertarbeit zentral.

Wenn dein Wert nicht nur von externer Rückmeldung abhängt, verliert Kritik etwas von ihrer zerstörerischen Kraft.


5. Professionelle Begleitung

Therapie oder ADHS Coaching kann helfen, emotionale Dysregulation gezielt zu bearbeiten.

Gerade wenn RSD dein Berufs- oder Beziehungsleben stark beeinflusst, lohnt sich Unterstützung.


Du reagierst nicht „zu stark“. Du fühlst stark.


Vielleicht hast du dich jahrelang geschämt für deine Reaktionen.

Vielleicht hast du dich selbst „anstrengend“ genannt.

Vielleicht hast du Beziehungen beendet, weil du den Schmerz nicht mehr ertragen konntest.


Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, dann nimm das ernst.

Rejection Sensitivity bei ADHS ist real.

Und sie ist behandelbar.


Du bist nicht kaputt.

Du bist nicht überdramatisch.

Und du bist ganz sicher nicht allein.


Manchmal ist der erste Schritt nicht, weniger zu fühlen.

Sondern zu verstehen, warum du so fühlst.

 
 
 

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