ADHS & Masking - Warum du dich ständig "anstrengst", normal zu wirken
- je-eichstetter
- 14. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

Kennst du dieses Gefühl?
Du kommst nach Hause.
Die Tür fällt hinter dir ins Schloss.
Und plötzlich sackst du innerlich zusammen.
Nicht, weil objektiv etwas Schlimmes passiert ist. Sondern weil du den ganzen Tag „funktioniert“ hast. Du warst konzentriert. Freundlich. Strukturiert. Angemessen. Du hast dich zusammengerissen. Dich kontrolliert. Dich angepasst.
Und jetzt bist du leer.
Viele Frauen mit ADHS bei Frauen wissen lange nicht, warum sie nach sozialen Situationen oder Arbeitstagen so erschöpft sind. Sie denken, sie seien einfach sensibel. Oder nicht belastbar genug.
Doch oft steckt etwas anderes dahinter:
Masking bei ADHS.
Was bedeutet Masking bei ADHS überhaupt?
Masking bedeutet wörtlich „Maskieren“.
Im Zusammenhang mit ADHS im Erwachsenenalter beschreibt es das bewusste oder unbewusste Verbergen von ADHS Symptomen, um „normal“ zu wirken.
Das kann zum Beispiel bedeuten:
Impulse unterdrücken
innere Unruhe verstecken
sich extrem anstrengen, aufmerksam zu wirken
Gespräche vorher im Kopf durchspielen
To-do-Listen überperfekt führen
soziale Reaktionen kopieren
Viele Frauen mit unerkanntem ADHS entwickeln diese Strategien schon früh – oft ohne es selbst zu merken.
Sie lernen: So wie ich bin, ist es nicht richtig. Also passe ich mich an.
Warum besonders Frauen mit ADHS maskieren
Bei Jungen wird ADHS häufiger früh erkannt. Bei Mädchen nicht.
Mädchen mit ADHS sind oft:
verträumt statt laut
emotional statt aggressiv
perfektionistisch statt rebellisch
Sie bekommen Sätze zu hören wie:
„Streng dich mehr an.“
„Du bist so sensibel.“
„Reiß dich zusammen.“
„Andere schaffen das doch auch.“
Also beginnen sie, sich zu beobachten. Und sich zu korrigieren.
Dieses dauerhafte Anpassen wird später zu Masking.
Deshalb bekommen viele Frauen ihre ADHS Diagnose erst spät – manchmal erst mit 30, 40 oder nach einem Burnout.
Wie zeigt sich ADHS Masking im Alltag?
Masking ist oft unsichtbar. Von außen wirkst du vielleicht organisiert, empathisch, leistungsfähig.
Innen sieht es ganz anders aus.
Hier sind typische Formen von Masking bei ADHS bei Frauen:
1. Du spielst soziale Skripte ab
Du hast gelernt, wie man „richtig“ reagiert.
Du nickst. Lächelst. Stellst Fragen.Während dein Kopf eigentlich abschweift.
Du analysierst Gespräche danach stundenlang.War ich komisch? Habe ich zu viel geredet?
Dieses permanente Selbstmonitoring kostet enorm viel Energie.
2. Du überkompensierst mit Perfektionismus
Du weißt, dass du Dinge vergisst.Also wirst du extrem organisiert.
Farbcodierte Kalender.Detaillierte Listen.Überstunden, damit bloß nichts auffällt.
Nach außen wirkst du strukturiert.In Wahrheit versuchst du nur, dein ADHS im Erwachsenenalter zu kontrollieren.
3. Du unterdrückst deine Impulse
Du willst etwas sagen – hältst dich zurück.Du willst aufspringen – bleibst sitzen.Du bist wütend – lächelst trotzdem.
Diese dauerhafte Selbstkontrolle kann zu innerer Anspannung führen, die kaum jemand sieht.
4. Du passt deine Persönlichkeit an
In Gruppe A bist du ruhig.In Gruppe B besonders angepasst.In Gruppe C überfreundlich.
Viele Frauen mit ADHS Symptomen berichten, dass sie gar nicht mehr wissen, wer sie wirklich sind.
Weil sie ständig eine Version von sich zeigen, die akzeptiert wird.
5. Du funktionierst – bis du zusammenbrichst
Masking funktioniert. Eine Zeit lang zumindest.
Doch langfristig führt es häufig zu:
chronischer Erschöpfung
Burnout bei ADHS
Depression
Angststörungen
psychosomatischen Beschwerden
Viele Frauen landen in Therapie wegen Erschöpfung – und erst viel später wird das zugrunde liegende ADHS erkannt.
Warum Masking so gefährlich sein kann
Masking ist eine Überlebensstrategie.
Es hilft dir, nicht negativ aufzufallen.Es schützt dich vor Kritik.Es ermöglicht beruflichen Erfolg.
Aber es hat einen Preis:
Du entfernst dich von dir selbst.
Je länger du maskierst, desto schwerer wird es, zwischen „Ich“ und „angepasste Version von mir“ zu unterscheiden.
Und genau deshalb wird ADHS bei Frauen so häufig übersehen.
Wenn du gut kompensierst, sieht niemand dein Leiden.
Der Zusammenhang zwischen Masking und später ADHS Diagnose
Viele Frauen sagen nach ihrer späten ADHS Diagnose:
„Ich habe mein ganzes Leben versucht, normal zu sein.“
Weil sie:
gute Noten hatten
ruhig waren
leistungsfähig wirkten
Verantwortung übernommen haben
Doch all das war oft das Ergebnis extremer innerer Anstrengung.
ADHS ist keine Frage von Intelligenz. Und Masking kann Symptome lange verdecken.
Deshalb ist Aufklärung über ADHS Masking bei Frauen so wichtig.
Woran merkst du, dass du maskierst?
Vielleicht erkennst du dich hier wieder:
Du bist nach sozialen Kontakten völlig erschöpft
Du brauchst überdurchschnittlich viel Vorbereitung für „normale“ Aufgaben
Du fühlst dich selten wirklich authentisch
Du hast Angst, „aufzufliegen“
Du hast das Gefühl, ständig eine Rolle zu spielen
Wenn das vertraut klingt, könnte Masking ein Thema für dich sein.
Warum Masking nichts mit Schwäche zu tun hat
Du hast nicht maskiert, weil du falsch bist.
Du hast maskiert, weil du dazugehören wolltest.
Weil du funktionieren musstest.Weil du nicht anecken wolltest.Weil du gelernt hast, dass Anpassung Sicherheit bedeutet.
Masking ist Intelligenz.Masking ist Sensibilität.Masking ist ein Zeichen, wie sehr du dich bemüht hast.
Aber vielleicht ist es Zeit, dich nicht mehr nur über Anstrengung zu definieren.
Was hilft, wenn du dich im Masking wiedererkennst?
Ein paar erste Schritte können sein:
1. Wissen
Je mehr du über ADHS bei erwachsenen Frauen lernst, desto klarer erkennst du deine Muster.
Verstehen nimmt Scham.
2. Sichere Räume
Menschen, bei denen du dich nicht zusammenreißen musst. Nicht filtern musst. Nicht funktionieren musst.
3. Professionelle Begleitung
Eine spezialisierte ADHS Diagnostik oder Therapie kann helfen, Masking bewusst zu machen und gesunde Strategien zu entwickeln.
Gerade wenn du unter chronischer Erschöpfung leidest, lohnt sich dieser Schritt.
4. Kleine Experimente mit Authentizität
Vielleicht sagst du einmal nicht sofort Ja. Vielleicht erlaubst du dir, eine Pause zu brauchen. Vielleicht sprichst du aus, dass dich etwas überfordert.
Nicht radikal. Sondern vorsichtig.
Du bist nicht „zu viel“. Du warst nur lange zu angepasst.
Wenn du diesen Artikel liest und spürst:
„Ja. Ich strenge mich ständig an, normal zu wirken.“
Dann darfst du das ernst nehmen.
Vielleicht ist es Stress. Vielleicht ist es Erschöpfung. Vielleicht ist es unerkanntes ADHS bei Frauen.
Was auch immer es ist – dein innerer Aufwand ist real.
Und vielleicht musst du nicht noch besser funktionieren.
Vielleicht darfst du anfangen, dich weniger zu verstecken.
Nicht alles auf einmal.
Nicht perfekt.
Aber Schritt für Schritt.
Du bist nicht falsch.
Du warst nur sehr lange sehr tapfer.





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