ADHS oder "nur" Überforderung und Stress - 12 Fragen zur ersten Orientierung
- je-eichstetter
- 14. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

Kennst du diesen Gedanken?
„Vielleicht bin ich einfach nur gestresst.“
„Andere Mütter schaffen das doch auch.“
„Ich muss mich einfach besser organisieren.“
„Ich darf mich nicht so anstellen.“
Und gleichzeitig sitzt da dieses leise Gefühl in dir, das sagt
:Irgendetwas ist anders.
Irgendetwas passt nicht.
Viele Frauen mit ADHS im Erwachsenenalter halten sich jahrelang für überfordert, sensibel oder nicht belastbar genug. Sie suchen nach Stressmanagement-Tipps, nach besserem Zeitmanagement, nach Disziplin. Doch was, wenn hinter der dauerhaften Überforderung etwas anderes steckt?
Was, wenn es ADHS bei Frauen sein könnte?
In diesem Artikel findest du 12 Fragen zur ersten Orientierung. Kein Diagnosetool. Kein Stempel. Sondern eine ehrliche Einladung, genauer hinzusehen.
Warum ADHS bei Frauen oft mit Stress verwechselt wird
ADHS bei erwachsenen Frauen zeigt sich häufig nicht durch offensichtliche Hyperaktivität. Stattdessen sehen wir:
chronische Erschöpfung
emotionale Überforderung
Organisationsprobleme
innere Unruhe
Selbstzweifel
Von außen wirkt das wie Stress. Oder wie ein „Life-Management-Problem“.
Doch Stress ist normalerweise phasenweise.
ADHS Symptome sind oft lebenslang da – nur unterschiedlich stark.
Viele Frauen bekommen ihre ADHS Diagnose erst nach einem Burnout, einer Depression oder wenn die eigenen Kinder diagnostiziert werden.
Deshalb ist diese Unterscheidung so wichtig.
12 Fragen zur ersten Orientierung: ADHS oder „nur“ Stress?
Nimm dir beim Lesen einen Moment. Spüre ehrlich in dich hinein.
1. Fühlst du dich schon dein ganzes Leben „anders“?
Nicht erst seit der letzten stressigen Phase. Sondern schon als Kind oder Jugendliche?
War da immer dieses Gefühl von Chaos im Kopf? Von nicht richtig reinpassen? Von „zu viel“ sein?
ADHS bei Mädchen wird oft übersehen, besonders wenn sie ruhig oder verträumt wirken.
2. Ist deine Überforderung situationsabhängig – oder dauerhaft?
Stress entsteht durch äußere Belastung.
Aber wenn selbst ruhige Phasen dich nicht wirklich entlasten, wenn dein Kopf trotzdem rast, wenn Organisation immer schwer bleibt – dann lohnt sich ein Blick auf ADHS im Erwachsenenalter.
3. Prokrastinierst du trotz hoher Motivation?
Du willst es gut machen. Du weißt, was zu tun ist. Und trotzdem schiebst du es auf.
Nicht aus Faulheit. Sondern weil du innerlich blockiert bist.
ADHS und Prokrastination hängen eng zusammen. Besonders bei Frauen führt das zu massiven Selbstzweifeln.
4. Erlebst du starke emotionale Schwankungen?
Fühlst du Kritik extrem intensiv? Beschäftigen dich Konflikte tagelang? Fühlst du dich schnell zurückgewiesen?
Emotionale Dysregulation ist ein typisches, aber wenig bekanntes Symptom von ADHS bei Frauen.
Stress verstärkt Emotionen. ADHS erschwert ihre Regulation.
5. Hast du extreme Probleme mit Zeitmanagement?
Verschätzt du dich ständig? Kommst du zu spät, obwohl du dich bemühst?
Zeitblindheit ist ein klassisches ADHS Symptom bei Erwachsenen. Es hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun.
6. Wechselst du zwischen Chaos und Perfektionismus?
Entweder alles ist völlig unstrukturiert. Oder du versuchst, alles perfekt zu kontrollieren.
Viele Frauen mit unerkanntem ADHS entwickeln Perfektionismus als Kompensationsstrategie.
Stress allein erzeugt diesen dauerhaften Wechsel meist nicht.
7. Fühlst du dich schnell reizüberflutet?
Geräusche, Gespräche, Licht, To-do-Listen – alles gleichzeitig.
Reizüberflutung ist bei ADHS häufig. Besonders Mütter mit ADHS berichten davon, abends völlig „leer“ zu sein.
8. Hast du viele angefangene Projekte?
Ideen hast du genug. Motivation auch.
Aber das Dranbleiben fällt schwer. Neues fühlt sich aufregend an. Routinen dagegen zäh.
Das ist kein Charakterfehler. Es ist ein typisches ADHS Muster.
9. Erlebst du Hyperfokus?
Kannst du dich stundenlang in ein Thema vertiefen und alles andere vergessen?
Stress führt selten zu Hyperfokus. ADHS dagegen sehr häufig.
10. Hast du immer wieder das Gefühl, dein Potenzial nicht zu leben?
Du weißt, dass du viel kannst. Aber irgendetwas blockiert dich.
Dieses Gefühl von „Ich könnte mehr, wenn ich nur…“ begleitet viele Frauen mit ADHS seit Jahren.
11. Hast du bereits Diagnosen wie Depression oder Angststörung bekommen – ohne dass sich wirklich alles erklärt hat?
ADHS bei Frauen wird häufig übersehen, weil zuerst die Folgeerkrankungen behandelt werden.
Depression, Burnout, Angststörung. Doch die zugrunde liegende ADHS bleibt unerkannt.
12. Fühlst du beim Lesen dieses Artikels Erleichterung?
Nicht Angst. Sondern Erleichterung.
Ein leises „Das bin ja ich.“
Dieses Gefühl ist oft ein wichtiger Hinweis.
ADHS oder Stress – was ist der Unterschied?
Stress ist eine Reaktion auf Belastung. ADHS ist eine neurobiologische Besonderheit.
Stress geht vorbei, wenn die Situation sich verändert. ADHS Symptome begleiten dich oft schon seit der Kindheit.
Stress kann ADHS Symptome verstärken. Aber er verursacht sie nicht dauerhaft.
Viele Frauen mit ADHS erleben chronischen Stress, weil sie ständig kompensieren. Dadurch verschwimmt die Grenze.
Warum so viele Frauen zweifeln
Frauen mit ADHS hören oft:
„Du bist halt sensibel.“
„Du musst dich besser organisieren.“
„Reiß dich zusammen.“
„Andere schaffen das doch auch.“
Also glauben sie, sie seien einfach nicht belastbar genug.
Dabei ist ADHS bei erwachsenen Frauen keine Frage von Disziplin. Es ist eine Frage von neurologischer Verarbeitung.
Was diese Fragen nicht sind
Dieser Artikel ist kein Selbsttest und keine Diagnose.
Aber wenn du dich in vielen Punkten wiederfindest, könnte es sinnvoll sein, dich intensiver mit dem Thema ADHS bei Frauen zu beschäftigen oder eine professionelle ADHS Diagnostik in Betracht zu ziehen.
Gerade eine späte ADHS Diagnose kann unglaublich entlastend sein.
Wenn es „nur“ Stress ist
Auch dann bist du nicht schwach.
Vielleicht brauchst du:
weniger Verantwortung
klarere Grenzen
mehr Unterstützung
echte Pausen
therapeutische Begleitung
Überforderung ist real. Und sie verdient genauso Mitgefühl.
Wenn es ADHS sein könnte
Dann ist das keine Ausrede. Und kein Makel.
Es ist eine Erklärung.
Und Erklärungen verändern alles.
Mit dem richtigen Wissen über ADHS im Erwachsenenalter kannst du:
deine Erwartungen an dich anpassen
Strategien entwickeln, die wirklich funktionieren
dich von jahrelanger Scham lösen
gezielt Unterstützung suchen
Du darfst genauer hinschauen
Vielleicht bist du einfach nur müde. Vielleicht bist du chronisch gestresst. Vielleicht trägst du seit Jahrzehnten unerkanntes ADHS in dir.
Was auch immer es ist – du darfst es ernst nehmen.
Du musst nicht erst zusammenbrechen, um Hilfe zu verdienen.
Und du musst dich nicht weiter selbst infrage stellen.
Manchmal beginnt alles mit einer ehrlichen Frage:
„Was, wenn ich nicht kaputt bin – sondern einfach anders funktioniere?“
Wenn diese Frage in dir nachklingt, dann bleib dran.
Lies weiter.
Informiere dich.
Hol dir Unterstützung.
Du bist nicht allein.
Und du bildest dir das nicht ein.





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